Deutschlands erste 0-Energiebilanzsiedlung in Velburg- Ziele der Bundesregierung bis 2050 sind seit 2005 erreicht- Fernwärme günstiger

Beim Siedlungsprojekt Landschaftssiedlung Velburg wurde nachgewiesen: Die Klima- und Energieeinsparziele der Bundesregierung bis 2050 wurden durch das Energiekonzept mit regenerativ betriebenem BHKW und Fernwärmekonzept bereits von 2005-2010 eingehalten! Die Fernwärme ist dabei günstiger als Einzellösungen. Die Friedrich Alexander Universität Erlangen Nürnberg und die Fachhochschule Nürnberg war mit 3 Diplomarbeiten bei dem Projekt involviert. Bürgermeister Kraus stellt sich seit ca. 2011 gegen das von ihm mit initiierte Konzept. (1-seitige Kurzfassung hier downloaden: 0-Bilanz Ergebnis 8-Homep-Kurzf-25-05-15)

In das Projekt flossen 20 Jahre Erfahrung der Walter Ing. GmbH in der Gebäudetechnik (Heizung, Klima, Lüftung, Sanitär, Elektro, Referenzen hier) ein, ebenso ihre speziellen Innovationen im Schwerpunkt Energiekonzepte (Referenzen hier).  Ein Beitrag im Magazin ZDF-Umwelt (jetzt planet-e) berichtete 2009 von unserem Energiekonzept “Olpererhütte” in Östereich (hier mehr). Soziale Verantwortung möchte die Walter Ingenieure GmbH mit ihrem aktuellen Projekt 0-Energibilanhaus in Indien übernehmen (mehr).

Auswertung zum 0- Energiebilanzprojekt Landschaftssiedlung Velburg

Im Jahr 1999 beschlossen die Verantwortlichen der Stadt Velburg ein engagiertes Ziel mit dem Neubauprojekt Landschaftssiedlung Velburg: 1. Die notarielle Festlegung eines Energiesparstandards unterhalb der Grenzen der damaligen Energiesparverordnung (-25%) und 2. Die möglichst weitgehende Deckung des Bedarfes durch Regenerative Energien. Die Walter Ingenieure GmbH hatte das Projekt entwickelt, geplant und später als Stromnetzbetreiber (http://www.stmwi.bayern.de/fileadmin/user_upload/stmwivt/Themen/Energie_und_Rohstoffe/Dokumente_und_Cover/Energiebilanz/D1-12_Uebersicht_NB_und_GrV-Strom.pdf) und Fernwärmeversorger nach den von der Stadt Velbug gesetzten Rahmenbedingungen realisiert. Deshalb liegen nunmehr detaillierte Messergebnisse über den Strom- und Wärmeverbrauch der Gebäude über die letzten Jahre vor. Den Begriff 0-Energiebilanz definierte man damals unabhängig vom Projekt Velburg so, dass der Primärenergieverbrauch um 75% reduziert wird. Ca. 10 Jahre später formulierte die Bundesregierung konkrete Klima- und Energieziele: Das Bundesumwelt-ministerium gibt eine Reduktion des Primärenergieverbrauches bis zum Jahr 2020 gegenüber dem Jahr 2008 um 20% und bis 2050 um 50% als Richtwert aus (vgl. Tabelle).

Bundes-regierung Projekt Velburg (BA I/II)
Jahr/Zeit-raum Ausgege-benes Ziel Erreichte, gemessene Werte (2005-2010)
Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttoend-energieverbrauch , 1) 2050 60 % 86%
Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamtstromverbrauch , 1) 2035 55-60 % >100%
Primärenergieverbrauch, Basis 2008, 1) 2050 -50 % -92%
Ziele für den Gebäudebereich
Wärmebedarf , 2) 2008-2020 -20% -45%

1) http://www.bmub.bund.de/themen/klima-energie/klimaschutz/eu-klimapolitik/

2) Deutsche Energie-Agentur (dena), Energiebedarf und –verbrauch, Darmstadt 31. Mai 2012

Die ausgewerteten Daten in Velburg übertreffen nun jedoch diese Ziele der Bundesregierung. Statt 80% erreicht das Siedlungsmodell im Durchschnitt der Jahre 2005 bis 2010 sogar 92% Primärenergieeinsparung (vgl. Diagramm) gegenüber dem Stand des Neubauniveaus der ENEV 2007 mit einem jährlichen Bedarf von 23.821 KWh. Die Gebäude in Velburg erreichten insbesondere durch das Fernwärmekonzept den niedrigen Primärenergieverbrauch von nur 1.802 KWh pro Jahr in der Messung. Dies gilt jedoch nur im Bauabschnitt I/II. Im Bauabschnitt III setzte die Stadtverwaltung wieder auf das konventionelle Konzept mit Einzelheizanlagen für jedes Gebäude mit einem hohen Primärenergieverbrauch von ca. 23.821 KWh pro Jahr (ca. 13-fach höher als mit Fernwärme).

PrimEngZiel-BRD-LSV

Bei genauerer Betrachtung der Messergebnisse stellt man sogar fest, dass alle Klima- und Energieziele der Bundesregierung aus der vorstehenden Tabelle, die bis 2050 formuliert wurden, im Velburger Modellprojekt Landschaftssiedlung übertroffen wurden. Für den interessierten Leser sind dort die Zielvorgaben des Umweltministeriums und die gemessenen Werte in Velburg gegenübergestellt (rechte Spalte).

Verglichen wurde mit einem Standardgebäude, das nach Energiesparverordung 2007 als Neubau errichtet ist. Es besitzt wie das Durchschnitts- Einfamilien-/Zweifamilienhaus (EFH/ZFH) in der Landschaftssiedlung ca. 130 m² Wohnfläche, wird nach ENEV beheizt und deckt seinen Haushaltsstrombedarf aus dem bundesdeutschen Strommix. So errechnet sich der jährliche Primärenergiebedarf von 23.821 KWh.

Die Messwerte in der Landschaftssiedlung wurden aus 12 Gebäuden des Bauabschnitt I-II ermittelt, deren Werte aus den Jahren 2005 bis 2010 erfasst wurden. Diese wurden nach dem in der privatrechtlichen Satzung durch den Stadtrat festgelegen, verbesserten Energiestandard errichtet. Die so konzipierten Gebäude erreichten bereits einen um 45% geringeren Endenergieverbrauch, als in der EnEV 2007 später gefordert. Der durchschnittliche Heizenergieverbrauch der 12 Gebäude lag bei 57 KWh/m²/a, also bei 5,7 Liter Heizöl pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr. Bei 130 m² Wohnfläche entspricht das gerade einmal 741 Liter Heizöl, der Bedarf für die Warmwasserbereitung inbegriffen. Doch der Hauptgrund für die enorme Reduktion der Werte um 92% gegenüber dem Stand von 2007 lag in der zentralen Nahwärmeversorgung mit regenerativer Kraft-Wärme-Kopplung (Rapsöl). Für diese Art der Energieerzeugung vergibt die ENEV die Bestnoten der anzusetzenden Primärenergiefaktoren.

Durch die Einführung der Biospritverordnung explodierte der Rapsölpreis in den Jahren 2004 bis 2010. In 2004 lag der Rapsölpreis bei 53,0 Cent/Liter. Die Höchstmarke lag im Zeitraum leider bei 98,1 ct/l. Das BHKW musste deshalb aus wirtschaftlichen Gründen abgeschaltet werden, da die Mehrausgaben die Einnahmen um 19.138,30 € weit übertrafen und der Betreiber „schlucken“ musste. Durch die Versorgung der Grund- und Mittelschule Velburg, konnte man dann ab 2007 zusätzlich auf den regenerativen Brennstoff Hackschnitzel für die Wärmeerzeugung zurückgreifen. Da die Anlage nicht nicht zur Stromerzeugung ausgelegt ist, beträgt z.B. im Jahr 2012 der Primärenergieverbrauch ohne BHKW 13.525 KWh/a. Die Einsparung beträgt aber dann immerhin noch 43% gegenüber dem gewählten Referenzjahr 2007 (vgl. Diagramm, rechte Säule). Als Referenzwert 2007/2008 wurde der Neubauwert angesetzt, nicht der Gebäudebestand.

Vollkosten für die Beheizung eines Einfamlienhauses (Neubau 2011) in der BRD im Vergleich zur Wärmeversorgung in der Landschaftssiedlung- Externe Untersuchungen

Ein Blick auf die Vollkosten für die Beheizung eines Einfamlienhauses in der BRD im Jahr 2011 für verschiedene Heizanlagen hilft dabei den Wärmepreis objektiv einzustufen. Aus einer neutralen Untersuchung der ASUE (vgl. Tabelle, Quellenangabe) geht hervor, dass man als Eigentümer eines Einfamilienhauses im Jahr 2011 für die nachfolgend dargestellten Heizsysteme zwischen 2.740 € und 4.269 € pro Jahr für einen Neubau zu bezahlen hatte (vgl. nachfolgendes Diagramm). Hierbei sind nicht nur die Verbrauchskosten für den Brennstoff oder betriebsgebundene Kosten für Wartung berücksichtigt, sondern auch die Investitions- und Instandhaltungskosten. Man spricht dann auch von Vollkosten. Für diese Vergleichsberechnung gelten Vorschriften der VDI 2067, nach denen die Kosten aufgestellt werden müssen, damit ein objektiver Vergleich möglich ist. Diese Zahlen aus externen Veröffentlichungen, helfen auch dem Nichtfachmann die Kosten einer Heizung mit denen der Fernwärme zu vergleichen. Der Kunde muss lediglich 3 Kostenbestandteile für die Fernwärme zusammenaddieren und erhält damit seine eigenen Vergleichskosten. Für die 12 vermessenen, fernwärmeversorgten Gebäude im BA I/II wurden im Jahr 2011 durchschnittlich 1.377,02 € incl. Mwst. in Rechnung gestellt (bei einem Durchschnittsverbrauch von 8.159 KWh/Haus). Berücksichtigt man für den Kostenvergleich, dass das Referenzgebäude der ASUE Varianten einen Jahresverbrauch von 9.375 KWh/Haus ansetzt, ergibt sich je nach Tarif ein jährlicher Rechnungsbetrag in Höhe von 1.716,08€ oder 1.921,24€ für die Fernwärme. Dort sind bereits alle Kostenbestandteile der Norm enthalten, außer die beiden Einmalzahlungen der Bauherren für Baukostenzuschuss / Anschlusskosten der Fernwärme und das Rohrnetz im Gebäude. Berücksichtigt man diese im Vergleich, wird ein sogenannter jährlicher „Kapitaldienst“ aus der Summe von Baukostenzuschuss und Anschlusskosten errechnet. Dieser beträgt für eine einmalige Zahlung von 9.000 € incl. Mwst. dann 493 € pro Jahr. Das Rohrnetz bei der ASUE Studie wird mit 4.800 € und einem jährlichen Kapitaldienst in Höhe von 360€ berücksichtigt. Man spricht auch von einer Annuität, die man sich von seiner Bank berechnen lassen kann, wenn man Zinsen und Laufzeit/Lebensdauer berücksichtigt. Mit den Annahmen der ASUE- Studie erechnet man also 493 €/a  für den Anschluss und 360 €/a für das Rohrnetz und addiert diese Beträge zum Rechnungsbetrag von 1.716€/a oder 1.921€/a hinzu. In Summe ergeben sich die Vollkosten der Fernwärme in der 0-Energiebilanzsiedlung Velburg für das Jahr 2011 in Höhe von jährlich 2.569€ oder 2.774€ (vgl. Säulendiagramm). Versorgungs- klima- und umwelttechnisch entpricht die Fernwärmeversorgung im Betrachtungszeitraum der Einzelheizungsvariante 4) mit Micro-KWK Anlage und Biogenem Brennstoff. Es ist deshalb noch weniger verständlich, warum sich die Stadt Velburg 2011 mit dem III BA aus dem Konzept “verabschiedet” hat.

Vollkosten 2011

 

Quelle: http://asue.de/themen/energie-im-haus/broschueren/waermeversorgung.html

Selbst die in 2014 vorgenommene Tarifänderung mit einer Grundpreisanpassung um mehrere hundert Euro ändert nichts daran, dass die Fernwärmeversorgung verglichen mit den von der ASUE veröffentlichten Zahlen für Einzelheizanlagen schlichtweg gut dasteht. Wollte ein Bauherr im Bauabschnitt III oder IV mit einer Einzelheizungslösung das Primärenergieziel der Bundesregierung bis 2050 erreichen (wie hier für den gemessenen BA I/II), müsste er die im Diagramm beschriebene Micro-KWK Anlage mit Bio- Erdgas errichten und betreiben. Dafür hätte er mit jährlichen Kosten von 4.269 € immerhin einen sehr viel höheren Preis zu zahlen wie ein Fernwärmekunde in der Landschaftssiedlung, denn die Stadt Velburg hat diesen Vorteil den Bauherren im BA III leider nicht ermöglicht. Im BA IV stellt sich dem verantwortungsbewussten Bauherrn möglicherweise bald das gleiche Problem. Betreiber und Kunden / Anschließer haben bei einer Veranstaltung am 17.04.2015 über Auswirkungen von Entscheidungen und der Vorgehensweise der Stadt Velburg seit 2004 diskutiert. Die Stadt Velburg hat mit Ihrem Vertragsverhalten maßgeblich zu der aktuellen Preisentwicklung beigetragen (Detailinformation als Download: Anlagen Pressegespräch ). Die Walter Ing. GmbH setzt als Betreiber lediglich die gesetzten Rahmenbedingungen um. Seit 2011 ist jedoch von Seiten des Bürgermeisters Kraus keine Gesprächsbereitschaft mehr zur Verantwortung der Stadt Velburg hinsichtlich der Wärmepreisentwicklung vorhanden.

Walter Ingenieure GmbH im Mai 2015

Dipl. Ing. C. Walter

 

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